Das Rußland-Haus von John le Carré J507
€3,00
Beschreibung
1988. In der Sowjetunion hat eine vorsichtige Demokratisierung begonnen. Glasnost und Perestroika heißen die neuen Zauberwörter. Zudem beginnt sich die Sowjetunion dem Westen zu öffnen. So findet in Moskau die erste Phonomesse statt, an der auch Handelsvertreter Nicolas Landau teilnimmt. Dort wird er von einer Frau angesprochen, die sich ihm als Katja vorstellt und ihn bittet, an einen Verleger namens Blair ein Paket zu übergeben. Landau überprüft den Inhalt und entdeckt drei Notizbücher mit Zeichnungen, unleserlichen Formeln und seltsamen Zeichen. Weil er in England den Verleger Blair, der eigentlich Barley heißt, nicht finden kann und ihm die Sache verdächtig vorkommt, versucht er, diverse Ministerien zu informieren – zunächst ohne Erfolg. Doch dann wachen die Engländer auf, bilden einen Geheimausschuss, machen Barley in Lissabon ausfindig, holen ihn nach England und überreden ihn, den Autor der Bücher in Moskau zu finden. Denn mittlerweile ist die Sache ein Fall für die Geheimdienste Großbritanniens und der USA geworden. In Wirklichkeit handelt es sich nämlich bei dem Autor um einen Dissidenten, der die Beweise für eine furchtbare Wahrheit in den Händen hält: Seit Jahren wurden die westlichen Geheimdienste über das sowjetische Rüstungspotential getäuscht. Das darf nie an die Öffentlichkeit, denn andernfalls hätte der Westen keinen Grund mehr, um weiter aufzurüsten… Der Roman hätte Potenzial gehabt. Eine spannende Story verbindet sich mit einer Liebesgeschichte. Doch der Roman wurde von der Geschichte überholt, denn als er 1991 erstmals in Deutschland erschien, war der Kalte Krieg vorbei, die meisten osteuropäischen Länder waren dabei, sich zu Demokratien zu wandeln, die Sowjetunion zerfiel. Dazu fällt beim Lesen auch die leicht ironische Art der Erzählung und die etwas schnoddrige Form auf – und macht das Buch zu einem Werk, über das man schon mal grinsen kann. Spannung jedoch will sich nicht wirklich einstellen. Gut gemacht ist allerdings die Schilderung der UdSSR auf dem Weg in den Kapitalismus hinein, die Aufbruchsstimmung wird hervorragend dargestellt. Wahr ist auch, dass die Sowjetunion seit Anfang der 50er Jahre bis kurz vor ihrem Ende die westlichen Geheimdienste über ihre Rüstung im Unklaren ließ. Vor allem Lobbyisten der westlichen Rüstungsindustrie und die willigen Politiker fast aller Parteien ließen sich das auch gerne gefallen. Je mehr Angst man der Bevölkerung einreden konnte, umso williger unterstützte sie die Regierungen dabei, immer neue Waffensysteme zu finanzieren und zu stationieren.